Familie
Durch die Rennerei habe ich inzwischen toll abgenommen, definitiv 9 kg, es war auch schon noch mehr, aber das pendelt ja auf der Waage hin und her. Egal, ich bin in Topform, endlich habe ich wieder eine gute Kondition und mehr Ausdauer. Dummerweise regt mich das Joggen so sehr an, dass ich oft Einschlafprobleme habe. Eine Stunde ab 23 Uhr wach liegen ist da nix... Was soll`s, irgendwann schlafe ich dann doch noch ein. Und nun sehe ich eben zu, dass ich eher morgens und weniger abends jogge.
Nicht nur ich habe abgenommen, nein, auch unser Haus. Es wird momentan von altem Gerümpel befreit. Der Dachboden ist so gut wie leer, weil das Dach neu gedeckt werden soll. Die restlichen Gerümpelecken im Keller haben noch etwas Zeit, aber denen werden wir auch noch den Garaus machen. Wir haben schon ganz viel zur Müllannahme gefahren. Mein Mann, normalerweise eher lethargisch-phlegmatisch, ein Garfileld-Typ, schaltet aktuell voll den Turbo an und packt super mit an! Ich bin entzückt!!!
Um das alles noch zu toppen, kommen eben meine Töchter ins Wohnzimmer und erklären mir stolz, dass sie gemeinsam den Platten am Vorderrad der Großen geflickt haben. Zum ersten Mal, ganz alleine! Die ältere Tochter hatte neulich mal eine Deutscharbeit über Fahrrad flicken geschrieben, daher wusste sie, wie es geht ;o)! Wozu Deutscharbeiten alles gut sind *g*...
Ja, so kann es weiter gehen!
singlilli - 24. Mai, 14:40
Ja, heute hat der nette Tischler, der Sohn von der 75jährigen, dann wirklich das Wohnzimmer komplett leer geräumt. Sogar die Gardinen samt Haltestange konnte er gebrauchen. Und der riesige Kleiderschrank ist ebenfalls weg. Die beiden Zimmer sind jetzt sozusagen nackig.
Ich freue mich, dass es so schnell geklappt hat. Aber ich war doch ziemlich aufgelöst heute mittag. Ich konnte mir auch nicht ansehen, wie alles raus getragen wurde. Mein Mann wurde am Ende auch etwas melancholisch, als er die Möbel seines Vaters in den Bulli mit einlud und sie dann davonfahren sah.
Jetzt können wir die Wohnung mehr und mehr okkupieren. Ich habe schon über eine Reinigungsräucherung nachgedacht. Aber solange noch Teppiche und Tapeten drin sind, warte ich mal ab.
singlilli - 18. Mai, 21:45
Heute werden Opas Wohnzimmermöbel auseinandergeschraubt, damit sie morgen abtransportiert werden können. Er hat Nußbaum-Schränke; schick, aber nicht unser Geschmack.
Einerseits bin ich froh, dass die Möbel wegkommen. Eine 75jährige Frau aus unserer Siedlung nimmt sie, da kommen sie in gute Hände. Kinder würden die Möbel zu leicht vermackeln, und das wäre nicht in Opas Sinn. Er hat sie immer geschont und sehr pfleglich behandelt.
Andererseits war mit den Möbeln immer noch ein Teil von ihm hier im Haus. Irgendwas von seinem Geist schwebte noch im Wohnzimmer herum. Ich sah ihn förmlich im Sessel sitzen. Das wird dann nicht mehr so sein, wenn das Zimmer leergeräumt ist. Ein mulmiges Gefühl... gut und nicht gut zugleich.
Aber danach geht es weiter. Dann wird es unser Zimmer werden können.
Edit: Guuuut, dass der große Schrank abgebaut wurde, bevor der Gutachter hier war!
Obwohl der Schrank ein gutes Stück von der Wand entfernt aufgebaut war, obwohl im Wohnzimmer immer im Winter geheizt wurde und obwohl dort auch gut gelüftet wurde, hat sich hinter dem Schrank der Schimmel ausgebreitet! Dabei hätte doch die Luft zirkulieren können wie blöde...*g*! Genau an der Wand, eine Etage höher, in unserer Küche, haben wir auch den Schimmel! Im Schrank!!! Und da wurde mir quasi unterstellt, ich hätte nicht korrekt gelüftet. Klar, im Einbauküchenschrank lüftet man ja auch so gerne!
Jedenfalls hat mein GG den Schimmel in Opas Wohnzimmer fotografisch dokumentiert. Das hebt den Wert des Hauses ungemein, liebe Mit-Erben...
singlilli - 17. Mai, 13:25
Wenn auch nicht alles nach meiner Mütze lief gestern Abend, kann ich doch mit dem vorläufigen Ergebnis leben. Voraussichtlich wird eine Art Gutachten erstellt, um den Wert des Hauses genau zu bestimmen. Soweit, so gut. Ist auch eine faire Lösung für alle. Allerdings wird vermutlich unsere Einschätzung dabei bestätigt werden, und wir bezahlen dann noch Geld dafür... Aber wenn es hilft...
Etwas enttäuschend fand ich schon, dass kein Mensch erwähnte und in die Bewertung mit einfließen ließ, dass wir uns hier in der letzte Zeit intensiv um Opa gekümmert haben. Mag sein, dass das rechtlich keine Auswirkungen auf das Erbe hat. Aber moralisch könnte mensch, bei gutem Willen, unser Engagement so mit einrechnen, dass nicht wegen einer verhältnismäßig geringen Differenz in den Werteinschätzungen ein Gutachter bemüht wird. Naja, so sind Menschen verschieden.
singlilli - 27. Mrz, 12:04
Heute ist der Tag der Tage, der, auf den ich schon seit drei Wochen warte. Heute sollen die drei "Kinder" von Schwiegervater verhackstücken, wie das Erbe verteilt werden soll. Es gibt ein Testament, daher ist klar, dass die anderen Geld und mein Mann das Haus bekommen soll. Aaaaber, es müssen sich erstmal drei Leute einigen, wie viel ein mehr als 50 Jahre altes Haus mit Renovierungsbedarf wert ist. Da können die Meinungen doch schon sehr auseinander gehen. Und bei Geld hört ja bekanntermaßen der Spaß auf.
Vor der Geschichte mit Opa gab es eine ca. 5jährige Funkstille in der Familie. Man grüßte sich, und mehr nicht. War nicht schön, kommt aber schon mal vor. Mit Opas Sturz begann der Frieden zwischen den Leuten, alle zogen an einem Strang, alle hielten Kontakt. Klar, es ging um den Vater von allen, aber es wurde auch wieder privat geplaudert, so wie in alten Zeiten. Auch nach der Trauerfeier blieb es entspannt. Von mir aus dürfte es gerne so bleiben. Muss ja nicht die große Liebe ausbrechen, aber das man sich mehr als die Tageszeit sagen kann, wäre doch nicht verkehrt. So unter Geschwistern...
Nicht, dass ein verkehrter Eindruck entsteht: Ich bin absolut für Gerechtigkeit, aber für alle, nicht nur für die Anderen. Wir haben eine konkrete Vorstellung vom Wert des Hauses, durch Vergleiche mit ähnlichen Häusern und Grundstücken in ähnlicher Wohngegend. Aber mehr als dieser Wert wäre auch nicht angemessen. Nun hoffe ich sehr, dass Schwager und Schwägerin mit unserem Angebot einverstanden sind. Daumendrücken sehr erwünscht!!!
singlilli - 26. Mrz, 15:33
Unser Opa wäre heute 85 Jahre alt geworden. Ich habe mich mit meinem Sohn darüber unterhalten, was wir normalerweise an Opas Geburtstag gemacht hätten. Wir wären dann in seine Wohnung gegangen, mit einem Blumenstrauß. Wir hätten ein Geburtstagslied gesungen und ihm die Blumen geschenkt. "Aber dafür ist es jetzt zu spät", meinte mein Sohn. Er hat natürlich Recht.
Nachher gehen wir zum Friedhof (wir wohnen in Sichtweite neben dem Friedhof) und bringen ihm ein paar Narzissen aus seinem Garten. Aber singen werden wir nicht.
singlilli - 19. Mrz, 13:32
Die Trauerfeier liegt hinter uns, in ein, zwei Wochen wird eine Urnenbeisetzung folgen. Es war feierlich, angemessen und gut.
Am Sonntagmorgen um halb sechs hat mein Mann seinen Vater leblos im Bett gefunden. Ich wurde geweckt, um auch mal nach Opa zu sehen und konnte den Tod nur bestätigen. Sofort fingen wir an, den Leichnam herzurichten. Statt des Schlafanzuges bekam er einen schicken dunklen Anzug mit silberner Krawatte an. Er sah sehr feierlich aus, die Haut so glatt und faltenfrei, fast jung, so filigran, ein guter Anblick. Um seinen Mund schien ein Lächeln zu spielen, er wirkte entspannt, zufrieden, gelöst.
Nach einer Stunde waren wir fertig. Als Altenpflegerin hatte ich diese Arbeiten schon oft getan, aber niemals zitternd und tränenüberströmt. Wir gingen nochmal ins Bett, aber ich konnte nicht mehr schlafen.
Nach dem Frühstück habe ich meinen Kindern angeboten, Opa nochmal anzusehen, worauf sie mir sagten, sie wären schon an seinem Bett gewesen. Sie gingen dann nochmal mit mir zusammen zu Opa. Geweint haben sie nicht, aber sie waren still und ernst.
Der Sonntag war ausgefüllt mit Familie, Notarzt wegen Totenschein, Bestatter und so weiter. Am Nachmittag, meine Mädels waren zum Spielen weg, wurde Opa abgeholt. Ich blieb dabei, wollte mit ansehen, wie er in den Sarg gelegt wurde. Meinen Mann schickte ich mit dem Sohn nach oben, aber die beiden kamen nach einer Minute zurück. "Eiiiiiigentlich wollte ich zugucken....", hatte der Vierjährige auf der Treppe gesagt, und so durfte er auf meinem Arm sein und von dort aus zusehen. Er war ernst und still, hat nicht weggesehen und auch nicht geweint. Wir gingen hinterher, als der Sarg ins Auto geschoben wurde und sahen dem schwarzen Wagen nach, wie er ganz langsam die Straße hinunterfuhr.
Heute bei der Trauerfeier, mitten in einem Gebet, brach mein Sohn plötzlich laut in Tränen aus. Er war nicht, wie wir vermuteten, von seiner Schwester gekniffen worden. Ich vermute, ihm wurde in diesem Moment richtig bewusst, was da passierte und dass Opa nie wieder bei uns sein würde. Er sagte auch, er weine wegen Opa. Den Rest der Feier blieb er auf meinem Schoß.
Es war eine schöne Abschiedsfeier, mein Kirchenchor sang zwei Lieder, der Pastor hat gute, tröstliche Worte gefunden und es waren viele liebe Gäste dort. Wir werden wieder zum Alltag finden, aber es läuft noch langsam und besinnlich hier.
Nochmal einen herzlichen Dank an alle, die mir beigestanden haben.
singlilli - 21. Feb, 16:26
Seit Sonntagmorgen sind wir hier nur noch fünf im Haus. Unser Opa ist gestorben, in seinem Haus, in seinem Bett, im Kreise seiner Familie, in Würde, geliebt, geachtet, und ich vermisse ihn sehr!
Am Donnerstag wird die Trauerfeier zur Einäscherung stattfinden.
Es ist alles in Ordnung, wir kommen mit der Situation klar. Ich denke, er musste nicht sehr leiden, auch wenn er nicht kampflos gegangen ist.
Er war ein feiner Mensch! Ich bin für ihn froh, und für mich bin ich traurig.
singlilli - 18. Feb, 21:31
Hier im Haus ist es ausgesprochen ruhig. Ungewöhnlich ruhig. Friedlich.
Am Montag hat uns der Hausarzt gesagt, dass unser Opa nur noch ein paar Tage leben würde. Die Kraft ist einfach weg. Seitdem liegt er im Bett, wir geben ihm nur, was er haben möchte und zwingen ihm nichts auf. Erstaunlicherweise hat er keinen Durst. Immer wieder haben wir Flüssigkeit angeboten, aber er lehnte sie ab. Wenn wir ihn überreden, hat er Schwierigkeiten zu schlucken. Daher mache ich häufig Mundpflege, wische die Mundschleimhäute mit einem Apfelsaft-getränkten Tupfer aus und fette die Lippen leicht ein.
Er liegt ganz ruhig und nicht angespannt. Phasenweise war er unruhig, machte ab und zu einen panischen Eindruck, aber das ist inzwischen vorbei. Wir sitzen viel an seinem Bett, halten seine Hand oder sind einfach nur da. Auf dem Tisch stehen kleine Rosen, eine Kerze brennt den ganzen Tag. Er spricht wenig, und wir reden auch nicht auf ihn ein.
Ich hätte mir selbst niemals zugetraut, stundenlang ruhig dasitzen zu können, ohne mich dabei schlecht zu fühlen. Aber es geht, und zwar ganz gut. Wie gut, dass meine Kinder schon so groß sind, dass sie sich selbst beschäftigen können. Die Mädchen sind viel verabredet, und der Kleine kommt mit zu Opa oder ist bei seinen Schwestern. Auch der Fernsehapparat hilft in dieser Zeit...
So können wir hier ruhig, gelassen, liebevoll und in Würde unseren Opa verabschieden.
singlilli - 15. Feb, 17:59
Das sagt mein Vater immer, wenn er
Kükelhaus zitiert. Und damit hat er natürlich Recht. Hier schwingt es auch sehr, zur Zeit eher abwärts. Leider war der tolle Morgen mit dem Zeitunglesen wohl eher ein Aufbäumen, kein Neuanfang. Heute war einer der schlechtesten Tage seit langem, und der Nachmittag kommt erst noch. Er ist total depressiv (was jeder verstehen kann) und stöhnt und jammert. Schmerzen scheinen da eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Er hadert mit seinem Schicksal, er meint dauernd, das hätte doch keinen Sinn mehr. Ich soll ihm den Gefallen tun und es gut machen. Ich höre da echte Verzweiflung raus, aber ich stehe hilflos daneben.
Selbstverständlich kann ich ihn pflegerisch versorgen, keine Frage. Aber das interessiert ihn nicht. "Mir ist das alles soooo egal" sagt er zu allem Möglichen. Dennoch bleibe ich dabei, dass das alles seinen Sinn hat. Auch wenn er sich uns nicht oder nicht auf Anhieb erschließt. Ich schrieb ja schon von meinem Mann und seinem veränderten Verhältnis zu seinem Vater. Auch meine Kinder erleben zur Zeit, was Familie und Zusammenleben bedeuten kann. Natürlich tut das auch weh, aber niemand hat gesagt, das Leben wäre immer nur schön und gut. Womit ich wieder beim Titel wäre.
Es scheint mir so, als würde Opa in den Hungerstreik treten. Er isst kaum noch etwas selbständig, jeden Schluck Flüssigkeit nötige ich ihm auf. Ich biete ihm weiterhin an, aber ich vermute, er fängt an, "sich leicht zu machen" für seine letzte Reise. Ich wünschte, er könnte bald reisen!
singlilli - 7. Feb, 15:08