Der Besuch bei der alten Dame
Sie wohnt seit zwei Jahren im Pflegeheim, sitzt im Rollstuhl, hatte einen Schlaganfall und hat seitdem Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis: "Meine" alte Dame, die mir für das Hospiz-Praktikum zugeordnet wurde. Sie macht einen netten Eindruck auf mich; wir werden bestimmt gut klar kommen.
Für mich als Altenpflege-Fachkraft war es mehr als merkwürdig, einfach nur zu sitzen und sich zu unterhalten. Ein Heim und der wuselige Betrieb darin sieht ganz anders aus, wenn frau nicht als "Schwester" durch die Gänge flitzt. So wollte Frau B. gerne auf die Toilette, und ich musste sehr an mich halten, weil ich dafür ja nicht zuständig bin. Natürlich habe ich ihren Wunsch weitergeleitet an das Personal, aber es blieb ein komisches Gefühl.
Wir haben uns in ein gemütliches Zimmer verzogen und uns unterhalten. Das war auch nicht so einfach für mich, denn wir kannten uns ja noch gar nicht, und ich sollte 1 bis 1,5 Stunden bei ihr bleiben. Ich habe sie nach ihrem Leben gefragt, nach ihrer Familie. Sie erzählte dann auch, aber ich kam mir schon ein bisschen so vor, als würde ich sie ausfragen. Okay, es ist nicht zu ihrem Schaden, ich erzähle es nicht weiter, und sie bekommt durch mich Besuch und sitzt nicht alleine im Hein herum. Es wird schon gut sein für sie. Hoffentlich bleibt dieses flaue Gefühl nicht die ganze Zeit.
Liebe Grüße
Singlilli
Für mich als Altenpflege-Fachkraft war es mehr als merkwürdig, einfach nur zu sitzen und sich zu unterhalten. Ein Heim und der wuselige Betrieb darin sieht ganz anders aus, wenn frau nicht als "Schwester" durch die Gänge flitzt. So wollte Frau B. gerne auf die Toilette, und ich musste sehr an mich halten, weil ich dafür ja nicht zuständig bin. Natürlich habe ich ihren Wunsch weitergeleitet an das Personal, aber es blieb ein komisches Gefühl.
Wir haben uns in ein gemütliches Zimmer verzogen und uns unterhalten. Das war auch nicht so einfach für mich, denn wir kannten uns ja noch gar nicht, und ich sollte 1 bis 1,5 Stunden bei ihr bleiben. Ich habe sie nach ihrem Leben gefragt, nach ihrer Familie. Sie erzählte dann auch, aber ich kam mir schon ein bisschen so vor, als würde ich sie ausfragen. Okay, es ist nicht zu ihrem Schaden, ich erzähle es nicht weiter, und sie bekommt durch mich Besuch und sitzt nicht alleine im Hein herum. Es wird schon gut sein für sie. Hoffentlich bleibt dieses flaue Gefühl nicht die ganze Zeit.
Liebe Grüße
Singlilli
singlilli - 27. Aug, 14:04
Esmerelda - 28. Aug, 07:43
Ich denke auch, dass das flaue Gefühl verschwinden wird. Ich habe zwar noch nie im Hospiz zu tun gehabt, aber ich war Mitte des Jahres mit zwei älteren Frauen zusammen im Krankhaus in einem Zimmer, dort verstanden wir uns recht gut, also habe ich sie nach meiner Entlassung noch weiter besucht. Obwohl beide Familie haben, und auch von denen regelmäßig Besuch bekamen, und liebevoll umsorgt wurden, so haben sie es doch genossen. Besonders eine, die meine Besuche nutzte um über ihre Ängste (sie war Ende Achtzig) zu reden, denn das wollte sie mit ihrer Familie nicht. Sie stammt aus der gehobenen Mittelklasse, war Besitzerin einer großen Speditionsfirma, da war es wichtig sich immer zusammen zu reißen, bloß keine Schwäche zeigen.
Mir gegenüber konnte sie sich da öffnen, weil ich ja fremd war und vielleicht auch, weil sie mich mochte.
Für uns beide waren die Gespräche immer sehr schön, sie erzählte von Familie, Firma, Vergangenheit, Ängsten, ich fragte nach und sie erzählte weiter, auch wenn ich anfangs öfter dachte, es geht mich nichts an und ich stocher nur in ihrem Leben rum, weiß ich, dass sie sich auf meine Besuche gefreut hat.
Du machst das sicher gut :-)
Liebe Grüße
Esme
Mir gegenüber konnte sie sich da öffnen, weil ich ja fremd war und vielleicht auch, weil sie mich mochte.
Für uns beide waren die Gespräche immer sehr schön, sie erzählte von Familie, Firma, Vergangenheit, Ängsten, ich fragte nach und sie erzählte weiter, auch wenn ich anfangs öfter dachte, es geht mich nichts an und ich stocher nur in ihrem Leben rum, weiß ich, dass sie sich auf meine Besuche gefreut hat.
Du machst das sicher gut :-)
Liebe Grüße
Esme
singlilli - 28. Aug, 14:44
Das macht mir Mut!
Ja, es wird wohl so sein, dass sie auch etwas davon hat, wenn sie mit mir spricht. So hat sie einen Menschen, bei dem sie etwas loswerden kann. Ich hatte aber erst so ein Gefühl, als wenn ich sie "benutzen" würde. Sie wurde mir durch die Sozialarbeiterin des Heimes zugeteilt, aber sie selbst hatte nicht darum gebeten, besucht zu werden. Jetzt ist Frau B. sozusagen mein "Lernmaterial". Mal sehen, wie es sich entwickelt.
Unser Kursleiter schilderte die Praktika anderer Hospizhelfer als überwiegend gute Erfahrungen. Und ich werde die Frau auch nicht bedrängen, sondern eher mich ihr zur Verfügung stellen. Ob ich das so kann, wie ich es möchte?
LG; Singlilli
Unser Kursleiter schilderte die Praktika anderer Hospizhelfer als überwiegend gute Erfahrungen. Und ich werde die Frau auch nicht bedrängen, sondern eher mich ihr zur Verfügung stellen. Ob ich das so kann, wie ich es möchte?
LG; Singlilli

L.G.
Blitzi